SVSW-Schreiben an die Ständeräte und Ständerätinnen - 4. Juni 2026
Sehr geehrte Frau Ständerätin,
Sehr geehrter Herr Ständerat,
Die Schweizerische Vereinigung der Selbsteinkellernden Weinbauern (SVSW) unterstützt die von Herrn Carlo Sommaruga eingereichte Motion 26.3250 vollumfänglich. Diese fordert den Bundesrat auf, bei der WTO ein Verfahren zur Senkung der Einfuhrkontingente für Wein um 50% sowie zur Erhöhung der Einfuhrzölle für Wein ausserhalb der Kontingente um mindestens 100% einzuleiten.
• Das Zollkontingent für Wein wurde auf der Grundlage des durchschnittlichen Weinkonsums der Jahre 1986-1988 festgelegt. Da der Weinkonsum jedoch im Laufe der Jahre stetig zurückgegangen ist (-25 % in den letzten 15 Jahren), wurde die Kontingentsschwelle nie erreicht: Im Jahr 2024 wurden im Rahmen des Kontingents nur 135 Millionen Liter importiert, was deutlich unter den 170 Millionen Litern des Kontingents liegt.
• Die reduzierten Zölle werden auf fast alle Weinimporte gewährt. Dadurch wird der Grundgedanke des Kontingents sinnlos. Dieses sollte die lokale Produktion schützen, doch in der jetzigen Form ist es nichts weiter als ein Sieb, durch das Ströme von Billigweinen auf den Schweizer Markt gelangen. Dabei handelt es sich um Weine, die nach weniger strengen Standards als unseren eigenen hergestellt werden. Oft sind sie hoch subventioniert und stellen einen unlauteren Wettbewerb für die einheimische Produktion dar.
• Die Krise im Weinbau verschärft sich zunehmend. Es ist dringend notwendig, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es den Weinbauern ermöglichen, von ihrem Beruf zu leben. Die Zuteilung des Kontingents nach Produktionsleistung (Aktivierung von Artikel 22 des LwG, derzeit in der Vernehmlassung) wird nur einen Teil des Problems lösen. Ergänzend dazu ist es dringend notwendig, eine der aktuellen Situation entsprechende Schwelle festzulegen und die Kontingentsmenge auf 85 Millionen Liter zu senken. Zudem müssen die Abgaben ausserhalb des Kontingents der Teuerung angepasst (mindestens verdoppelt) werden, damit importierte Weine zu angemessenen Preisen auf den Markt gelangen und einen fairen Wettbewerb gewährleisten.
• In seiner Antwort vom 6. Mai 2026 führt der Bundesrat als einzige Begründung seine Scheu vor Verhandlungen mit der WTO sowie die Befürchtung, in anderen Sektoren Zugeständnisse machen zu müssen, an. Nach mehr als 30 Jahren ist es jedoch mehr als legitim, eine Anpassung der veralteten Zollkontingente zu fordern, da diese ihre Schutzfunktion in keinster Weise mehr erfüllen. Es ist zu betonen, dass der Einsatz des von der WTO vorgesehenen Instruments der Dekonsolidierung nichts Neues ist. Tatsächlich führt die Europäische Union derzeit eine solche Dekonsolidierung bei Stahlimporten durch. Der Bund muss die Interessen seiner eigenen Produktionssektoren verteidigen und diese Dekonsolidierung der Kontingente fordern.
Wir, die unabhängigen Schweizer Selbseinkellernden Weinbauern, führen ein jahrtausendealtes Know-how fort. Wir wollen weiterhin Qualitätsweine produzieren, die vielfältige Dimensionen aufweisen: kulturelle, soziale und menschliche.
Wir bitten Sie, den Antrag 26.3250 zu unterstützen, um einen lebendigen Weinbau zu bewahren und jungen Menschen, die mit Leidenschaft einen Betrieb übernommen haben, eine Zukunft zu sichern.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Das SVSW Komitee
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Parlamentarische Geschäfte im Zusammenhang mit dem Wein-Kontingent – Nationalrat und Ständerat – seit 2012